Das Blog zum SV Wehen Wiesbaden

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Feb

dsc_9828.jpgWeihnachtsfeiertage, Zeit der Besinnlichkeit und zur Besinnung, Silvesterfeier und gefasste Pläne für das neue Jahr – hier wie dort in westlicher Hemisphäre spielt sich das Jahresende alljährlich in ähnlicher Weise ab. So auch bei Spielern und Verantwortlichen des SV Wehen Wiesbaden, die sich nach dem Jahreswechsel und eingehender Analyse des zurück liegenden Halbjahres entschlossen und optimistisch im Hinblick auf die noch anstehenden 17 Spiele der Saison 2009/10 geäußert haben.

In der Tat konnte man anhand der getätigten beiden Wintertransfers vermeintlich Anzeichen erkennen, die sportliche Situation treffend analysiert zu haben und vorhandene Schwachstellen beheben zu wollen. Entsprechend erwartungsfroh äußerten sich Trainerteam und Geschäftsführung respektive Präsidium und schürten damit die Erwartungen weiter Teile des Wehener Anhangs vor der Begegnung gegen den 1. FC Heidenheim.

Nun ging besagte Partie mit Signalwirkung bekanntermaßen 1:2 verloren und die tabellarische Situation hat sich oberflächlich betrachtet zunächst nicht dramatisch verschlechtert. Entsprechend der vor der Begegnung öffentlich negierten Zweifel an einem positiven Spielausgang und der forsch und mit Nachdruck formulierten Erwartungshaltung zum Saisonende („50 Punkte – und die werden wir auch erreichen“) wird in der Nachbetrachtung lediglich mit Unverständnis ob der Darbietung in der zweiten Halbzeit reagiert.

Nüchtern betrachtet müsste den Beteiligten jedoch ob der Art und Weise des Zustandekommens im Hinblick auf die verbleibende Saison der Angstschweiß auf der Stirn stehen, insbesondere dann, wenn man sich folgende Fakten vor Augen führt:

  • In den letzten neun Begegnungen, darunter fünf Heimspiele, und daraus möglichen 27 Punkten erzielte der SVWW ganze sechs Zähler – diese allesamt zu Hause
  • Insgesamt erzielte der SV Wehen Wiesbaden in seinen bisherigen zehn Auswärtsspielen und daraus möglichen 30 Punkten lediglich acht Zähler
  • Für den Rest der Saison verbleiben sieben Heimspiele und neun Partien in der Fremde, darunter bei Gegnern wie Sandhausen, Aue, Osnabrück, Braunschweig oder Offenbach
  • Tabellarisch liegt der SV Wehen Wiesbaden drei Punkte vor einem Abstiegsplatz und vier Punkte vor dem Tabellenletzten. Allerdings hat der Drittletzte, Dynamo Dresden, eine Partie und der Letzte, Wuppertaler SV, zwei Partien weniger ausgetragen
  • Betrachtet man lediglich den Ausgang der jeweiligen zweiten Halbzeiten eines Spiels, so ist der SV Wehen Wiesbaden Tabellenletzter
  • Die ernüchternden Zahlen lassen sich erst recht nicht positiv interpretieren, wenn man die gezeigte Leistung der Mannschaft und die individuelle Entwicklung der Spieler im Verlaufe der Saison hinzuzieht. Das augenscheinliche Verdrängen offenkundiger spielerischer und taktischer Mängel im beginnt spätestens mit dem torlosen Remis gegen Eintracht Braunschweig. Neben einem zu Unrecht verweigerten Handelfmeter verzeichnete der SVWW im ganzen Spiel eine echte Torchance, die Marcel Ziemer aus geschätzten zwei Meter Torentfernung nicht zu nutzen wusste.

    Die Verletzungen der Flügelspieler Ziegenbein und Landeka wurden als mitentscheidende Faktoren angeführt, bei der gewählten Ersatzvariante Bohl und Amstätter konnte man jedoch bereits vor der Partie getrost die Hoffnung auf eine chancenreiche Partie begraben. Im anschließenden Auswärtsspiel beim damaligen Tabellenzehnten Werder Bremen II setzte es die erste zweier aufeinanderfolgender Auswärtsklatschen. 0:5 und 1:5 lautete in Bremen und danach in Ingolstadt jeweils das Endergebnis aus Sicht des SVWW, das Auftreten der Mannschaft und die Ansammlung taktischer Fehlleistungen hätten auch durchaus höhere Resultate gerechtfertigt.

    Dazwischen lag das Heimderby gegen die Offenbacher Kickers, welches die Schwächen der Mannschaft und die verzerrte Wahrnehmung des Gebotenen durch die Beteiligten deutlich zu Tage treten ließ. „Großer Sport“, „Werbung für den Fußball“ und Ähnliches mehr war im Nachgang zum 3:3-Unentschieden allerorten zu vernehmen. Bezogen auf die erste Halbzeit des SVWW und die zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten insbesondere in der zweiten Halbzeit lässt sich dieses Urteil noch rechtfertigen.

    Vergessen wird dabei allerdings auf Wehener Seite, dass wohl lediglich die Auswechslung des überragenden Offenbacher Offensivakteurs David Ulm wegen drohender Ampelkarte in der 70. Minute dafür Sorge trug, dass die drei Punkte nicht doch noch an den Bieberer Berg wanderten. Neben dem chronisch formschwachen Benjamin Weigelt auf der linken Defensivseite gegen den Ex-Wehener Stefan Zinnow, trugen die Unzulänglichkeiten des zentralen Mittelfelds in der Defensive maßgeblich zum Gelingen des Offenbacher Sturmlaufs in der zweiten Halbzeit bei.

    Wiederholung fand dies nicht nur beim bereits erwähnten 1:5 in Ingolstadt sondern auch in den Begegnungen in Dresden (1:3) und nun gegen Heidenheim. Statt Räume in der Defensive zu schließen werden diese dem Gegner teilweise fahrlässig geöffnet. In der Offensive findet die Mittelfeldzentrale praktisch nicht statt – Einzelaktionen der Außenbahnspieler oder die eine oder andere Stürmerablage nach wiederholt langen Bällen aus der Verteidigung sorgen mehrheitlich für die überschaubare Torgefahr aus dem Spiel heraus – bestes Beispiel siehe oben die angesprochene Partie gegen Eintracht Braunschweig.

     

    Außenverteidiger, die dem ihnen im modernen Fußball zugedachten Anteil am Offensivspiel standhaft trotzen, und offensive Außen, die der mangels Offensivdruck aus dem zentralen Mittelfeld permanent vollzogenen gegnerischen Doppeldeckung und gleichermaßen fehlender zentraler Anspielstationen nur mit geglückten Einzelleistungen entkommen, schließen strukturiertes Offensivspiel mehrheitlich aus.

    Torgefahr provozieren regelmäßig nur die im Vergleich zur Vorsaison wesentlich verbesserten Standardsituationen. Beleg für Stärke und Schwäche gleichermaßen sind sechs unmittelbar aus Standardsituationen resultierende Treffer in den letzten elf Begegnungen – von zwölf erzielten Toren insgesamt.

    Nun ist das zur Verfügung stehende Spielermaterial sicher ein nicht unerheblicher Faktor. Vor der Saison wurde die Mannschaft bewusst neu zusammen gestellt. Mit Ziemer, Öztürk, Hübner, Schönheim und Ziegenbein bilden lediglich fünf ausnahmslos junge Spieler aus dem Kader der Vorsaison das Gerippe der ersten Elf in dieser Spielzeit.

    Jugendliche Frische wurde zudem neu verpflichtet (Gehring, Landeka, Kunert, Reinert) oder aus den eigenen Reihen befördert (F. Hübner, Albert, Billick). Mit Danko Boskovic und Benjamin Weigelt zog man zudem zwei vermeintliche Säulen für das neue Team an Land, dazu den gestandenen Damjanovic als Alternative für das Sturmzentrum.

    Mit Amstätter und Glibo konnten zwei verdiente Spieler des SV Wehen Wiesbaden für den Trip in Liga 3 begeistert werden – die aber in der Winterpause wieder aussortiert wurden. Wer bei dieser abstiegsbedingten Personalrochade mit dem Fokus auf junge, entwicklungsfähige Spieler davon ausging, die 3. Liga im Sturm zu erobern, dem war angesichts des ausgeglichenen Teilnehmerfeldes in Liga 3 im Vorfeld bereits der Sachverstand abzusprechen.

    Zwischenzeitlich – und dabei überwiegend in der heimischen BRITA-Arena – schien der Abstand zwischen Aufstiegsaspiranten und dem SVWW auch nur auf dem Papier zu existieren. Doch bereits hierbei lohnt eine genauere Betrachtung: Gegen Sandhausen war die Mannschaft nach 60 Minuten stehend k.o. und feierte Dank des gegnerischen Unvermögens und Fabian Schönheim den ersten Heimerfolg der neuen Saison. Den Sieg in Erfurt erkämpfte man mit Leidenschaft und einer gehörigen Portion Glück – siehe Entstehung des Siegtreffers. Mit Erzgebirge Aue wurde das nach dem SVWW auswärtsschwächste Team der Liga bezwungen.

    Der VfL Osnabrück war nach dem Pokalerfolg gegen den HSV, wie in den übrigen Ligaspielen nach vorherigen Pokalspielen auch, weder physisch noch psychisch in der Lage, seine gewohnte Leistungsstärke abzurufen. Und gegen Mannschaften wie Kiel und Unterhaching muss man zu Hause einen Sieg voraussetzen können, um die Daseinsberechtigung in dieser Liga nachzuweisen.

    Nach mittlerweile zweiundzwanzig gespielten Partien lässt sich anhand der aufgeführten Beispiele feststellen, dass sich weder die Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden als Team wirklich stabilisiert, geschweige denn weiter entwickelt hat, noch bei den meisten Spielern eine signifikante Steigerung ersichtlich wäre. Ohne den Stabilisator Schönheim in der Verteidigung oder die individuellen Geistesblitze von Ziegenbein und Öztürk in der Offensive muss man der Mannschaft in der jetzigen Form gar die Ligatauglichkeit absprechen. Schema F bei der taktischen Ausrichtung und der Besetzung der jeweiligen Positionen sorgen beim Gegner in schöner Regelmäßigkeit für freudig erregte Gesichter.

    Die Besetzung der offensiv kaum stattfindenden Mittelfeldzentrale lässt ebenso Zweifel zu, wie das unerträglich lange Festhalten an chronisch außer Form befindlichen Spielern wie Weigelt und Ziemer. Zudem darf die Frage erlaubt sein, wer das Verbot ausgesprochen hat, insbesondere auswärts eventuell nur mit einer Spitze und einem zusätzlichen (offensiven) Mittelfeldspieler (Bohl?) aufzulaufen und den Abstand des immer wieder zu tief stehenden zentralen Mittelfelds und dem Angriff erträglicher, möglicherweise auch erfolgversprechender zu gestalten. Damit wiederum würde man den Verteidigern beim Spielaufbau neben den mangels Alternativen gewählten langen Bällen zumindest die Option bieten, eine zusätzliche Anspielstation im Mittelfeld zu finden.

     

    All diese Gedankenspiele bieten sicherlich keinen garantierten Lösungsweg für einen plötzlichen spielerischen Aufschwung und das Wiedererscheinen nicht für möglich gehaltener, individueller Klasse. Die äußerst respektable Leistung eines Sebastian Wolf auf der ungewohnten 6-er Position beim 2:0-Freundschaftsspielsieg gegen Graz – im Übrigen wurde das Ergebnis völlig überbewertet, angesichts des lustlosen und willensschwachen Gegners – und der desolaten Leistung des gleichen Spielers eine Woche später gegen Heidenheim auf der noch weniger gewohnten linken Defensivseite könnte jedoch Fingerzeige hinsichtlich hilfreicher Flexibilität und Kreativität bei der Ein- und Aufstellung der ersten Elf bieten. Dies insbesondere wenn man bedenkt, dass gegen Heidenheim sowohl Benjamin Hübner als auch Sebastian Reinert angeschlagen in die Partie gingen.

    Auch ein Suat Türker, mittlerweile immerhin fast 34 Jahre alt, ist nicht bekannt dafür, dass ihm die Bälle wie von Geisterhand zufliegen. Der dauerhaft bestehende Mangel an Offensiv-Potenzial im zentralen Mittelfeld und der fehlenden Bereitschaft (um es nicht Konsequenz zu nennen), auf sich bietende taktische wie personelle Varianten auch im Ernstfall zurück zu greifen, lässt die durch die Verantwortlichen angestellte Vorrundenanalyse als unzureichend erscheinen und schürt die Angst vor einem kapitalen Déjà-vu.

    Frei nach Adenauer mag man den Entscheidungsträgern des SVWW zurufen, nicht immer auf den gleichen Standpunkten zu beharren, da sie niemand daran hindert, klüger zu werden …

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    Kategorien : Fanszene / Mannschaft

    5 Responses to “Getrübter Blick, bittere Erkenntnis – die Angst vor einem kapitalen Déjà-vu”


    Matze Schlenger 02/02/2010

    Danke für die klaren Worte, Jopi.

    Linda 02/02/2010

    Besser geht es nicht. Hoffentlich liest das auch jemand der Veranwortlichen. Danke Jopi für klare Worte.

    Mike 03/02/2010

    Auf den Punkt. Besser gehts nicht!!

    KlausBärbel 05/02/2010

    Steht der SVWW noch am Abgrund der 3. BL oder ist er schon einen Schritt weiter? Schluß mit dem Eiertanz und aufwachen!
    Das Thema der Stunde ist nicht Wiederaufstieg sondern KLASSENERHALT!
    Also: Umdenken, Reset drücken, Kräfte bündeln, Gras fressen, Gas geben, laufen und fighten bis zum Umfallen.
    Es kommen 16 Endspiele, bei denen es um alles geht! Abwehrschlacht!!!
    Das muss in die Köpfe rein und zwar dalli. Wer nicht mitzieht, fliegt gnadenlos raus. Wer es nicht begreift auch – das sollte nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für die Führung gelten. Der Fisch stinkt immer vom Kopf…



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